Auf der Flucht: Entkommene Lachse und was wir dagegen tun

Die Mehrheit der Lachszuchten findet in Netzgehegen statt, die in Flüssen, Seen oder Meeren liegen. Diese Haltungsform hat eine Reihe von Vorteilen, wie z. B. die geringere Landnutzung und einen reduzierten Energiebedarf im Vergleich zu vielen Fleischproduktionsbetrieben an Land. Aber sie hat auch negative Auswirkungen.

Eine der möglichen Nachteile dieser Zuchtmethode, die am besten dokumentiert und über die am meisten berichtet wird, ist die Gefahr des Entkommens von Zuchtlachsen. Aber warum ist dies ein Problem und was unternimmt die Branche und der ASC dagegen?

Die Auswirkungen von entkommenen Zuchtlachsen

Das Entkommen von Zuchtlachsen in die Wildnis ist vor allem dort ein Problem, wo Wildlachspopulationen in der Nähe leben. Die Gefahr besteht nämlich, dass sich die Zuchtlachse mit den Wildpopulationen vermehren und diese genetisch beeinträchtigen. Die Wildlachse könnten verdrängt oder Krankheiten an sie weitergeben werden.

Zwar haben verschiedene Studien unterschiedliche Ergebnisse zu den Auswirkungen eines solchen Entweichens für Wildpopulationen ermittelt, es ist jedoch wichtig, dass mit Blick auf potenzielle Umweltfolgen ein vorbeugender Ansatz verfolgt wird. Und daher enthält der ASC-Lachsstandard eine Reihe von Anforderungen, die ein Entkommen verhindern sollen.

Was sagt der ASC-Lachsstandard zu entweichenden Zuchtlachsen?

Zum einen dürfen im vorangegangenen Produktionszyklus nur weniger als 300 Fische entkommen sein. Zum anderen müssen die Farmen sicherstellen, dass sie in der Lage sind, alle entweichenden Fische genau zu zählen und diese Information öffentlich machen.

Die ASC-Zertifizierung verlangt darüber hinaus den Nachweis, dass Maßnahmen zur Verhinderung des Entkommens getroffen und entsprechende Mitarbeiterschulungen durchgeführt werden. Hierzu gehört eine Überprüfung der Stabilität der Netze, die Gewährleistung einer geeigneten Maschenweite, Raubtier-Management und die Meldung von Risikoereignissen.

Dies ist wichtig, denn es bedeutet, dass zertifizierte Farmen proaktiv handeln müssen. Entsprechende Kontrollen sollen in regelmäßigen Abläufen fest verankert sein, damit es erst gar nicht zu einem Entweichen von Fischen kommt.

Was unternimmt die Branche gegen das Entkommen von Lachsen?

Verantwortungsvolle Lachszüchter wissen, dass sie verpflichtet sind, die Umgebung zu schützen, die sie mit Wildlachspopulationen sowie anderen Tieren und Menschen teilen. Um dies zu erreichen, nimmt jeder verantwortungsvolle Züchter die Vermeidung des Entkommens sehr ernst und arbeitet mit lokalen Interessengruppen zusammen.

Ein Beispiel hierfür ist Grieg Seafood in Norwegen. Der nachfolgende Film stammt aus einer Dokumentarfilmreihe, die von einem freien Journalisten produziert wurde und zeigt, wie das Entkommen verhindert wird und gleichzeitig mit lokalen Interessengruppen und Forschern daran gearbeitet wird, die Zuchtlachse im Fjord zu überwachen.

 

 

Diese Bemühungen scheinen sich auszuzahlen. 2013 waren 3 % der im Fjord gefangenen Lachse Zuchtlachse. Dieser Wert sank 2019 auf 0,2 %. Grieg arbeitet mit „River Stewarts“, einer Gruppe von Flusspaten, die sich dem Schutz von Wildlachs widmen, und mit Wissenschaftlern zusammen, um den Fjord zu überwachen. Die Erkenntnisse fließen in künftige Maßnahmen zum Schutz wilder Populationen ein.

Warum entweichen noch immer Fische?

Natürlich gibt es trotz der oben genannten Maßnahmen auch jetzt noch gelegentlich Berichte über das Entweichen großer Mengen von Zuchtfischen aus Lachsfarmen. Dies kann unterschiedliche Ursachen haben, z. B. technisches Versagen oder durch Stürme beschädigte Netze.

Zwar kann man schlechtes Wetter nicht verhindern, aber die Aquakultur ist eine innovative und dynamische Branche. Die Züchter sind ständig auf der Suche nach neuen Lösungen für diese Risiken. Neue Technologien verbessern die Festigkeit und Belastbarkeit von Netzen. Anderen potenziellen Risiken kann, wie Grieg es zeigt, durch umfangreiche Mitarbeiterschulungen und ein kooperatives und verantwortungsvolles Vorgehen vorgebeugt werden.

Letztlich liegt es in der Verantwortung der Lachsfarmen, zu verhindern, dass Fische entweichen. Das bedeutet, dass sie sich der Risiken jederzeit bewusst sein und aus verhinderten Entkommenssituationen lernen müssen. Genau dies fördert der ASC-Lachsstandard aktiv.

Mehr Informationen zu Aquakultur und entwichenen Tieren aus Aquakulturen finden Sie auf: https://www.aquakulturinfo.de      

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